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Die DNA der Widerstandsfähigkeit: Wie der Lilienanbau die Blume der Zukunft gestaltet

Donnerstag 06 August 2026

Eine starke Lilie entsteht nicht erst im Gewächshaus. Auch nicht in dem Moment, in dem die Blume geerntet wird. Die Grundlage für eine gesunde, widerstandsfähige Pflanze wird bereits viele Jahre zuvor gelegt – manchmal bis zu zehn Jahre, bevor ein Florist oder eine Floristin den ersten Stiel in den Händen hält.

Wer die Lilie der Zukunft verstehen möchte, muss deshalb an den Anfang der Wertschöpfungskette zurückgehen. Dorthin, wo Züchter, Blumenzwiebelvermehrer und Lilienproduzenten eng zusammenarbeiten. Genau dort beginnt Widerstandsfähigkeit.

In diesem ersten Teil sprechen wir mit zwei Unternehmern, die an unterschiedlichen Stellen der Kette an dieser Zukunft mitwirken. Levi Evers ist einer der vier Brüder hinter dem Lilienbetrieb Bredefleur, wo aus Lilienzwiebeln marktfähige Schnittblumen entstehen. Gert Seubring arbeitet früher in der Kette: Als Blumenzwiebelvermehrer vermehrt er das Ausgangsmaterial, mit dem Betriebe wie Bredefleur später arbeiten. Gemeinsam zeigen sie, dass Widerstandsfähigkeit keine einzelne Entscheidung ist, sondern ein Prozess, der viele Jahre im Voraus beginnt.

Peter Evers, broer van Levi

Widerstandsfähigkeit beginnt am Ursprung

Bevor eine Lilienzwiebel in das Gewächshaus von Bredefleur gelangt, hat sie bereits einen langen Weg zurückgelegt. Nach der Züchtung kommt sie zu einem Blumenzwiebelvermehrer wie Gert Seubring. Dort wird deutlich, wie weit die Branche vorausdenken muss.

„Eigentlich beginnt Widerstandsfähigkeit bereits eine Stufe vor meiner Arbeit – nämlich bei der Züchtung“, erklärt Seubring. „Dort wird untersucht, welche Eigenschaften eine neue Sorte besitzt und ob natürliche Resistenzen vorhanden sind. Anschließend liegt es an uns als Blumenzwiebelvermehrern zu entscheiden, ob wir diesen Weg mitgehen.“

Neue Techniken ermöglichen es, junge Sorten bereits früh auf Eigenschaften zu prüfen, die zu einem widerstandsfähigen Anbau beitragen. Dadurch verschiebt sich der Fokus zunehmend von der äußeren Erscheinung hin zur inneren Stärke der Pflanze. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Schönheit an Bedeutung verliert. Eine Lilie muss nach wie vor Floristen und Verbraucher gleichermaßen ansprechen. Doch die Widerstandsfähigkeit spielt heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor wenigen Jahren.

„Vor fünf oder sechs Jahren hat man diese Fragen eigentlich kaum gestellt“, sagt Seubring. „Heute fragt man bei einer neuen Sorte sofort: Wurde ihre Resistenz untersucht? Und zu welchem Ergebnis ist man gekommen?“

Entscheidungen für die nächsten fünf Jahre

In vielen Branchen gilt bereits eine Planung über einige Monate als langfristig. Im Blumenzwiebelanbau denkt man dagegen in Jahren. Wenn Seubring heute entscheidet, eine Lilienzwiebel zu vermehren, dauert es rund vier Jahre, bis daraus lieferfähige Blumenzwiebeln entstehen. Anschließend wachsen sie noch eine Saison bei einem Betrieb wie Bredefleur heran, bevor die ersten Schnittblumen auf den Markt kommen. Die Jahre in der Züchtung sind dabei noch gar nicht mitgerechnet.

„Eine Entscheidung, die ich heute treffe, sehe ich erst in etwa fünf Jahren als Blume wieder“, erklärt er.

Das macht die Entscheidungen anspruchsvoll. Schließlich weiß heute niemand genau, welche Farben, Formen oder Sorten in fünf Jahren besonders gefragt sein werden.

„Wir müssen ständig nach vorne schauen. Man kann nicht einfach auf das reagieren, was der Markt heute verlangt. Bis man sich darauf eingestellt hat, sind bereits mehrere Jahre vergangen.“

Deshalb setzen Blumenzwiebelvermehrer bewusst auf Vielfalt. Neben bewährten Sorten erhalten auch neue Züchtungen die Chance, sich zu beweisen. Erst nach mehreren Jahren praktischer Erfahrungen zeigt sich, welche Sorten sich langfristig durchsetzen.

Gemeinsam an der Lilie von morgen arbeiten

Auch Bredefleur übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Als Abnehmer der Blumenzwiebeln gibt das Unternehmen kontinuierlich Rückmeldung darüber, welche Sorten sich im Gewächshaus und letztlich beim Kunden besonders bewähren. Diese Informationen fließen wiederum zurück zum Blumenzwiebelvermehrer und zum Züchter.

„Es ist echte Zusammenarbeit“, sagt Levi. „Wir fragen unsere Kunden, was sie in neuen Sorten sehen. Am Ende entscheidet die gesamte Kette gemeinsam, welche Lilien Zukunft haben.“

Für Levi ist genau diese Zusammenarbeit der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Produktion.

„Die Lösung liegt nicht an einer einzigen Stelle. Jedes Glied der Kette leistet seinen eigenen Beitrag. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Pflanze immer stärker wird.“

Levi Evers in de kas

Vom Korrigieren zum Vorbeugen

Früher lag der Schwerpunkt vor allem darauf, Probleme während des Anbaus zu lösen. Heute richtet sich der Blick zunehmend darauf, sie von vornherein zu vermeiden. Eine widerstandsfähige Pflanze benötigt während des Anbaus deutlich weniger Unterstützung. Das erfordert ein anderes Denken.

„Letztlich möchte man immer weniger von nachträglichen Eingriffen abhängig sein“, sagt Seubring. „Deshalb gewinnt Widerstandsfähigkeit zunehmend an Bedeutung.“

Auch bei der Auswahl neuer Sorten verändern sich die Prioritäten. Natürlich bleiben Blütenform, Farbe und Vasenhaltbarkeit wichtige Kriterien. Gleichzeitig gewinnen Eigenschaften, die zu einem nachhaltigeren Anbau beitragen, immer mehr an Gewicht.

„Vielleicht ist die eine Sorte einen Hauch schöner“, sagt Seubring. „Wenn eine andere Sorte jedoch robuster ist und Krankheiten besser widersteht, wird sie zunehmend interessanter.“

Eine Blume mit Geschichte

Für Floristen zeichnet sich eine Lilie vielleicht vor allem durch ihre Farbe, ihre Form oder Eigenschaften wie Duft und Pollen aus. Hinter jedem einzelnen Stiel stehen jedoch viele Jahre sorgfältiger Entscheidungen. Entscheidungen von Züchtern, die nach starken Eigenschaften suchen. Von Blumenzwiebelvermehrern, die jahrelang investieren, bevor eine Sorte verfügbar wird. Und von Produzenten, die diese Pflanzen schließlich zu hochwertigen Schnittblumen heranwachsen lassen.

„Ein Florist muss kein Anbauspezialist sein“, sagt Levi. „Aber es ist schön zu wissen, wie viel Arbeit und wie viele Entscheidungen hinter einer einzigen Lilie stecken. Diese Geschichte macht das Produkt noch wertvoller.“

Auch Seubring wünscht sich, dass diese Geschichte häufiger erzählt wird.

„Ich glaube, viele Menschen wären überrascht, wie viele Jahre hinter einer einzigen Blume stehen.“

De vier broers achter Bredefleur in de kas

Auf der Suche nach der widerstandsfähigen Lilie

Die gesamte Wertschöpfungskette arbeitet also auf dasselbe Ziel hin: eine Lilie, die nicht nur schön ist, sondern von Natur aus auch robuster. Eine Entwicklung, die bereits in der DNA der Pflanze beginnt.

Doch wie lässt sich überhaupt erkennen, welche Eigenschaften eine neue Sorte besitzt? Wie können Forschende schon in einem frühen Stadium feststellen, ob eine Lilie Krankheiten besser widersteht? Und wie entwickelt man neue, nachhaltigere Sorten im Einklang mit der Natur?

Im zweiten Teil besuchen wir die Wageningen University & Research. Dort zeigt der Forscher Paul Ruigrok, wie die Wissenschaft die Grundlage für die widerstandsfähige Lilie der Zukunft schafft.

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